Medikamentöse Behandlung

Wenn für Sie eine Knochenmarktransplantation nicht in Frage kommt oder Sie auf eine Transplantation warten, werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine medikamentöse Behandlung erhalten, um die Krankheit zu kontrollieren.
In jedem Falle stellt eine Therapie mit Imatinib die Erstlinientherapie dar (auch wenn eine Stammzelltransplantation geplant sein sollte).



Erstlinientherapie
Imatinib Mesylate (Glivec®)

 


Andere Behandlungsmöglichkeiten
Dasatinib (Sprycel™)
Nilotinib (TasignaTM)

Interferon-alpha (Roferon®-A, Intron® A)
Pegylated-interferon-alpha
Hydroxyurea (Hydrea®)
Cytarabine (Cytosar-U®)
Busulfan (Busulfex®, Myleran®)
Homoharringtonine

 

Interferon Alpha (IntronA®, Roferon-A®, PegIntron®)

Interferon ist von Natur aus in Ihrem Körper verfügbar und wird verwendet, um Infektionen zu bekämpfen. Künstliches Interferon namens Interferon Alpha wird verwendet, um CML in der chronischen Phase zu behandeln. Interferon Alpha hält die Leukämiezellen davon ab, sich zu vermehren und regt Ihr Immunsystem an, diese anzugreifen.
Viele Menschen sprechen in der chronischen Phase gut auf Interferon Alpha an. Einige Patienten sprechen sogar so gut an, dass in der zytogenetischen Untersuchung fast keine Philadelphiachromosomen mehr festgestellt werden können. Mit Fortschreiten der CML ist es jedoch möglich, dass manche Patienten nicht mehr auf die Therapie ansprechen.
So wie bei allen Krebsbehandlungen gibt es Nebenwirkungen bei der Einnahme von Interferon Alpha, die Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen besprechen wird, bevor Sie mit der Behandlung beginnen. Die meisten Nebenwirkungen sind gut behandelbar.

Chemotherapiebehandlungen

Therapien mit Medikamenten wie Hydroxyurea, Cytarabin und Busulfan werden ebenfalls verwendet, um CML zu behandeln – oft in Kombination mit Interferon Alpha. Diese Therapien werden Chemotherapien genannt und zerstören die Krebszellen. Der Nachteil ist, dass sie nicht selektiv wirken und auch normale, gesunde Zellen zerstören können.

Imatinib (Glivec®)

Glivec® ist eine Behandlungsmöglichkeit, die anders als alle anderen Therapiemöglichkeiten wirkt. Es hemmt die Produktion von Leukämiezellen, greift aber nicht die normalen, gesunden Zellen an. Die Anzahl der abnormen weißen Blutkörperchen in Ihrem Blut wird somit reduziert.
In der chronischen Phase der CML ist Glivec® eine sehr wirksame medikamentöse Behandlung. Nahezu 80% der Patienten sprechen so gut an, dass das Philadelphiachromosom in einer zytogenetischen Untersuchung nicht mehr festgestellt werden kann.
Glivec® wird oral in Tablettenform eingenommen. Es kann in jeder Phase der CML verschrieben werden, ist aber wirksamer, wenn es in den früheren Stadien der Krankheit verschrieben wird. Wichtig ist, die richtige tägliche Dosis, wie von Ihrem behandelnden Arzt verschrieben, einzunehmen. Denn nur dann kann Glivec® die Krankheit wirksam kontrollieren.

Nilotinib (Tasigna®) und Dasatinib (Sprycel®)

Es gibt in einem geringen Prozentsatz von Patienten Resistenzen, die eine weitere Wirksamkeit von Glivec® verhindern. Hierbei ermöglichen neue Medikamente, die auch den sogenannten Tyrosinkinaseinhibitoren zugerechnet werden, eine effektive Behandlung der sogenannten resistenten CML. Lediglich eine genetische Veränderung (Mutation) lässt sich mit diesen Medikamenten nicht ausreichend behandeln, die sogenannte T315I Mutation. Kann diese Mutation nachgewiesen werden, wird Ihr behandelnder Hämatologe weitere alternative Therapiestrategien mit Ihnen besprechen (zum Beispiel eine Stammzelltransplantation oder Chemotherapie).

Leukapherese

Einige Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine derart starke Vermehrung der weissen Blutkörperchen, dass diese den Blutfluß im Gehirn, Lungen, Augen und anderen Organen behindern. Bei diesen Patienten können die weissen Blutkörperchen mit einer Art Dialysemaschine aus dem Blut entfernt werden. Dieses Verfahren nennt man Leukapherese. Nach einer substantiellen Reduktion der weissen Blutkörperchen kann dann die Therapie mit Imatinib begonnen werden. Leukapheresis kann zum Beispiel angewendet werden, wenn die Erkrankung in den ersten Monaten einer Schwangerschaft auftritt, wo der Einsatz von Chemotherapie schädliche Effekte auf die Entwicklung des Embryos haben kann.